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Texte zum Hochfest Christi Himmefahrt

Texte zum Hochfest Christi Himmefahrt
Texte zum Hochfest Christi Himmefahrt
© pixabay

Tagesgebet

Allmächtiger, ewiger Gott,erfülle uns mit Freude und Dankbarkeit,
denn in der Himmelfahrt deines Sohnes
hast du den Menschen erhöht.
Schenke uns das feste Vertrauen,
dass auch wir zu der Herrlichkeit gerufen sind,
in die Christus uns vorausgegangen ist,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.

Lesung (Apg 1, 1–11)

Im ersten Buch, lieber Theóphilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus von Anfang an getan und gelehrt hat, bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde. Vorher hat er den Aposteln,
die er sich durch den Heiligen Geist erwählt hatte, Weisung gegeben. Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.
Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt! Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber
werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft werden.
Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?
Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird;
und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samárien und bis an die Grenzen der Erde.
Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, siehe, da standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten:
Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

EvangeliumMt 28, 16–20

In jener Zeit gingen die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder, einige aber hatten Zweifel.
Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen:
Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie,
alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.
Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

© David Reed auf pixabay

Impuls zum Fest Christi Himmelfahrt von Gemeindereferent Joachim Kahle

Aus Ihrer Kindheit kennen Sie sicher auch noch die Geschichte vom Hans Guck-in-die-Luft aus dem Struwwelpeter. Dieser Junge, der nur in die Luft schaut, aber nicht auf die Erde – und der deshalb über so manches stolpert – und am Ende sogar ins Wasser fällt, wo man ihn knapp vor dem Ertrinken noch retten kann.
Diese Geschichte kommt mir immer in den Sinn, wenn ich die Lesung des heutigen Festtages lese – dort, wo die beiden Engel zu den Aposteln, die das große Nachsehen haben, sagen müssen: Ihr Männer von Galiläa, was schaut ihr zum Himmel hinauf?
Schaut lieber auf die Erde – und macht, was Jesu Euch gesagt hat. Seid seine Zeugen! Legt Zeugnis von dem ab, was ihr mit mir erlebt und erfahren habt. Gebt Zeugnis von der Liebe Jesu zu den Menschen. Haltet diese Liebe lebendig, damit sie nicht vergessen wird – oder unter die Räder gerät.

Was für ein spannender Moment in der Geschichte unserer Kirche: Da wird Jesus vom Vater in den Himmel aufgenommen – und er ist den Blicken der Menschen entzogen. Brauchte man vorher nur hinter ihm herzugehen und auf ihn zu schauen, so müssen die Apostel nun selbst losgehen – und selbst Entscheidungen treffen. Jetzt müssen sie selbst Spuren legen, auf denen andere hinter ihnen hergehen können, um diesen Jesus in ihrem Leben zu finden und zu entdecken. Jetzt müssen sie an die Stelle dieses auferstandenen Herrn treten und seine Arbeit tun. Aber, bei dieser Aufgabe sind sie nicht von Gott und allen guten Geistern verlassen, sondern der Herr hat ihnen seinen Beistand zugesagt, die Hilfe von oben, seinen Heiligen Geist.  

Dass dieses „Geschäft“, das sie da von ihrem Herrn übernommen haben, nicht einfach ist, das haben wir seit Ostern in den Lesungen aus der Apostelgeschichte hören können, die uns in diesen Tagen begleitet haben.
Da nützte es nichts, nur zum Himmel hinaufzuschauen und abzuwarten, sondern da musste entschieden werden - jetzt, weil das Leben ja weiter ging, das Leben dieser jungen Kirche.
Und wie wir gehört haben, gab es da heftige Situationen.
Bisher bestand die junge Kirche ja nur aus Juden. Müssen die Heiden, die sich taufen lassen wollen, deshalb auch zuerst einmal Juden werden – weil es bisher immer so gewesen ist? Oder geht das ohne diesen „Umweg“.
Und die Apostel geraten sich in die Haare. Und schließlich können sich alle, die von Paulus und Barnabas angeführt werden, mit ihren Vorstellungen durchsetzen. Eine Entscheidung, die wohl viel Mut brauchte – und viel Heiligen Geist. Denn sie warf so einiges, was bisher gängiges Denken und Handeln gewesen ist, über den Haufen – um damit Neuem Platz zu machen - unserem christlichen Glauben an einen gütigen und barmherzigen Gott – mit seiner grenzenlosen Liebe.

Also mich erinnert das an die Situation, die wir in unserer Kirche erleben. Da hat Papst Franziskus sein Schreiben Amoris Laetitia verfasst. Und darin schlägt der Papst neue Töne an, die ein neues Handeln möglich machen kann – ein Handeln, in dem nicht nur die Gesetze entscheiden, sondern wo auch Platz ist für Barmherzigkeit.

Und sofort geschieht dasselbe wie in der Apostelgeschichte. Es bilden sich Lager. Die einen behaupten: Jetzt geht alles den Bach runter. Wir haben doch Gesetze, göttliche Gesetze. Und was ein Papst vorher mal beschlossen hat, das kann ein andere doch jetzt nicht anders entscheiden. Und die anderen sagen: Wir dürfen doch nicht nur in den Himmel schauen, sondern wir müssen doch auch auf die Erde schauen; nicht nur auf die Gesetze von oben, sondern auch auf die Menschen unten, auf Menschen in ihrer Not. Was ist zu tun?

Ihr sollt meine Zeugen sein. Das ist der Auftrag Jesu, der in den Himmel aufgefahren ist – damals an die Apostel – und heute an uns heute.

Dann müssen wir uns aber fragen lassen: Wovon wollen wir denn Zeugnis ablegen?
Von einem Gesetzbuch – oder von einem lebendigen Gott?
Von festgeschriebenen Dogmen – oder von der menschgewordenen Barmherzigkeit Gottes. Von Verwaltungsvorschriften – oder von der Liebe?
Darüber entscheiden müssen wir.

Denn es muss UNSER Zeugnis sein. Das, wovon wir überzeugt sind.
Aber wenn wir davon überzeugt sind, dann müssen wir es auch leben und tun.
Das wünsche ich uns allen am Fest Christi Himmelfahrt.

Ihr Männer von Galiläa,
was steht ihr da und schaut zum Himmel?
Der Herr wird wiederkommen, wie er jetzt aufgefahren ist. Halleluja.

Apg 1, 11
Joachim Kahle
Gemeindereferent
Erbsengasse 365795Hattersheim
Tel.:06190 8879512
Fax.:06190 8879525